Warum ich mich mit diesem Thema beschäftige

Am 16. Dezember 2025 hat die EU-Kommission ein neues Maßnahmenpaket für die Autoindustrie vorgelegt. Auf den ersten Blick klingt es nach Entlastung: mehr Spielräume, mehr Zeit, weniger Druck. Das klare Ziel, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen, bleibt zwar auf dem Papier bestehen – in der Realität wird der Weg dorthin deutlich aufgeweicht. Verbrenner und Hybride sollen weiter möglich sein, Regeln flexibler, Zwischenziele gestreckt. Viele haben darauf mit Erleichterung reagiert. Mich hat diese Entscheidung vor allem nachdenklich gemacht. Nicht wegen einer einzelnen Regel, sondern wegen des Gefühls, dass wir uns wieder ein Stück vor einer klaren Entscheidung drücken.
Es geht um mehr als Technik
In der Debatte um das Verbrenner-Aus geht es längst nicht mehr nur um Motoren, Antriebe oder CO₂-Zahlen. Es geht um etwas Tieferes: um Sicherheit, um Angst vor Veränderung – und um die Frage, wie ehrlich Politik mit dieser Angst umgeht.
Wenn wir uns an den Verbrenner klammern, dann nicht, weil er die bessere Technik wäre. Sondern weil er für viele Menschen ein Gefühl von Kontrolle und Verlässlichkeit vermittelt. Er steht für das Bekannte, für Routinen, für eine Zeit, in der vieles überschaubarer schien. Das Problem ist nur: Diese Sehnsucht nach dem vermeintlich „heilen Gestern“ schützt uns nicht vor den Herausforderungen von morgen. Sie verschiebt sie lediglich.
Die konservative Linie: Aufweichen statt entscheiden
Die konservativen Parteien im EU-Parlament haben genau auf dieses Gefühl gesetzt. Unter dem Stichwort „Technologieoffenheit“ wollten sie das klare Ziel aufweichen: weg vom verbindlichen Aus für neue Verbrenner ab 2035, hin zu möglichst vielen Ausnahmen, Übergängen und Hintertüren. Begründet wurde das mit Wettbewerbsfähigkeit und Industrieinteressen. Tatsächlich ging es vor allem darum, kurzfristig Druck rauszunehmen – für Hersteller, aber auch politisch.
Der sozialdemokratische Ansatz: Übergangssicherheit, aber mit Ziel
Die Sozialdemokraten haben einen anderen Punkt gemacht. Auch sie wissen: Elektromobilität setzt sich durch. Nicht aus Ideologie, sondern weil sie wirtschaftlich und technologisch überlegen ist. Ihre Forderung war deshalb nie, den Verbrenner zu retten. Es ging um etwas anderes: um Zeit, um Qualifizierung und um Sicherheit für die Beschäftigten in der Automobilindustrie. Übergangssicherheit, ja – aber mit klarem Blick nach vorn.
Genau diese Absicht wollte auch die SPD Bamberg in ihrem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz vermitteln: nicht Stillstand, sondern ein fairer Übergang. Nicht Rückschritt, sondern ein klarer Weg in eine emissionsfreie Zukunft – sozial abgefedert und politisch verlässlich.
Ein bekanntes Muster – und eine bekannte Gefahr
Was mich dabei besonders nachdenklich macht: Das alles klingt erschreckend vertraut. Wir kennen dieses Muster. Bei der Solarindustrie, bei der Batterietechnologie, bei der Digitalisierung haben wir lange gezögert, diskutiert und relativiert – und am Ende zugesehen, wie andere Länder vorbeiziehen. Gerade in fernöstlichen Staaten, allen voran China, wurde nicht endlos über Übergänge gestritten, sondern konsequent investiert, skaliert und umgesetzt.
Und genau das droht uns jetzt wieder.
Der Kompromiss und seine Folgen
Denn was ist am Ende daraus geworden? Ein Kompromiss, der auf den ersten Blick beruhigt, auf den zweiten aber verunsichert. Das Ziel bleibt irgendwie bestehen, der Weg dorthin wird weichgespült. Verbrenner bleiben möglich, solange sie rechnerisch ausgeglichen werden. Zwischenziele werden gestreckt. Verantwortung wird verschoben.
Das mag kurzfristig helfen. Aber es schafft keine echte Sicherheit. Denn wer heute nicht klar sagt, wohin die Reise geht, nimmt den Menschen morgen die Orientierung. Industrie braucht Klarheit. Beschäftigte brauchen Perspektiven. Beides entsteht nicht durch das Offenhalten aller Optionen, sondern durch ehrliche Entscheidungen. Auch beim sogenannten „Heizungsgesetz“ wurde so lange aufgeweicht, bis am Ende ein verwässerter und unklarer Beschluss übrig blieb – das ist das Gegenteil einer klaren Linie für die Menschen und vor allem für die Industrie.
Übergangssicherheit ist nicht Zukunftsfähigkeit
Oder anders gesagt:
Wer glaubt, mit dem Festhalten am Verbrenner oder an überholten Technologien Arbeitsplätze, Wohlstand oder industrielle Stärke zu sichern, verwechselt Übergangssicherheit mit Zukunftsfähigkeit.
Wenn wir wieder länger über Übergänge reden als über Ziele, dann werden andere wieder schneller sein.
Und irgendwann stellen wir erneut fest:
Die Zukunft ist da – nur nicht mehr aus Deutschland.

