
Ein pragmatischer Schritt – aber noch nicht das Ziel
Ein Thema, das auch mich persönlich bewegt
Die AnkER-Einrichtung im Bamberger Osten hat unsere Stadt über viele Jahre hinweg intensiv beschäftigt. Auch mich persönlich. Kaum ein anderes Thema wurde so kontrovers diskutiert – in der Bürgerschaft, im Stadtteil und in der Kommunalpolitik. In einer früheren Kolumne habe ich bereits ausführlich beschrieben, was die AnkER-Einrichtung eigentlich ist, welche Funktion sie im bayerischen Asylsystem erfüllt und welche sozialen, integrationspolitischen und menschlichen Herausforderungen mit einer solchen Großunterkunft verbunden sind.
Zwischen Verantwortung für den Stadtteil und Verantwortung für Menschen
Mich hat diese Debatte von Beginn an in einem Spannungsfeld bewegt: zwischen den berechtigten Sorgen vieler Anwohnerinnen und Anwohner, den Erwartungen an die Stadtpolitik und der Verantwortung gegenüber den Menschen, die in der AnkER-Einrichtung untergebracht sind. Gerade als Sozialdemokrat ist mir wichtig, beides ernst zu nehmen – die Lebensrealität im Stadtteil ebenso wie die Würde und Perspektiven der Geflüchteten.
Erwartungen, Diskussionen und eine unbequeme Realität
In den vergangenen Jahren habe ich erlebt, wie hoch die Erwartungen waren. Der Wunsch nach einer Schließung der AnkER-Einrichtung oder zumindest nach einer klaren Perspektive für das Gelände war weit verbreitet und nachvollziehbar. Gleichzeitig war mir immer bewusst – und das habe ich auch offen benannt –, dass die Stadt Bamberg faktisch keinen Einfluss darauf hatte, ob die AnkER-Einrichtung geschlossen wird. Zuständigkeit und Entscheidung lagen beim Freistaat Bayern. Diese Erkenntnis war unbequem, aber notwendig, um die Diskussion ehrlich zu führen und falsche Hoffnungen zu vermeiden.
Die Einigung als Wendepunkt mit neuen Möglichkeiten
Vor diesem Hintergrund bewerte ich die nun erzielte Einigung zwischen der Stadt Bamberg und dem Freistaat Bayern als einen wichtigen Wendepunkt. Nicht, weil sie alle Probleme löst – das tut sie ausdrücklich nicht –, sondern weil sie erstmals echte Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Dass die Stadt Eigentümerin des Geländes wird und der Freistaat es nur noch befristet nutzt, bedeutet Planungssicherheit. Und Planungssicherheit ist die Voraussetzung dafür, Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten zu können.
Spürbare Verbesserungen für den Alltag im Bamberger Osten
Besonders wichtig ist mir dabei, dass diese Einigung nicht abstrakt bleibt. Die zugesagten Maßnahmen – eine neue Bushaltestelle, Geh- und Radwege sowie die Sanierung von Stadionbad und Volkspark – sind konkrete Verbesserungen für den Alltag der Menschen im Bamberger Osten. Sie zeigen, dass Stadtentwicklung dann glaubwürdig ist, wenn sie spürbar wird, gerade für Familien, Kinder und ältere Menschen.
Bürgerbeteiligung als Stärke demokratischer Prozesse
Ich habe in diesem Prozess auch erlebt, wie wertvoll konstruktive Bürgerbeteiligung sein kann. Der Bürgerverein Bamberg-Ost hat sich über Monate hinweg sachlich, beharrlich und lösungsorientiert eingebracht. Dass viele dieser Anregungen nun Teil der Einigung sind, bestätigt meine Überzeugung: Dialog und Engagement lohnen sich – auch wenn politische Prozesse Zeit brauchen.
Sozialdemokratischer Pragmatismus heißt Haltung bewahren
Aus meiner sozialdemokratischen Haltung heraus ist diese Einigung ein pragmatischer Schritt. Pragmatismus bedeutet für mich nicht, eigene Werte aufzugeben, sondern unter realen Bedingungen das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Gleichzeitig bleibt für mich klar: Die humanitäre und integrationspolitische Dimension ist damit nicht erledigt. Großunterkünfte wie die AnkER-Einrichtung bleiben problematisch – für das Zusammenleben im Stadtteil ebenso wie für die Chancen der Geflüchteten auf Teilhabe, Bildung und Integration.
Der Blick nach vorn: Menschlichkeit bleibt Maßstab
Gerade deshalb dürfen wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Die Perspektiven der Menschen in der Einrichtung, ihrer Familien und insbesondere der Kinder müssen weiterhin im Mittelpunkt stehen. Eine sozial gerechte Stadt misst sich daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht – auch dann, wenn Zuständigkeiten kompliziert sind und Lösungen nur schrittweise möglich sind.
Fazit: Fortschritt, Verantwortung und der nächste Schritt
Die Einigung ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung – ein Fortschritt für den Bamberger Osten, aber noch nicht das Ziel. Sie zeigt, dass dialogorientierte Politik, Realismus und Haltung zusammengehören. Jetzt kommt es darauf an, die eröffneten Chancen konsequent zu nutzen – verantwortungsvoll, menschlich und mit dem klaren Blick auf eine nachhaltige Entwicklung unseres Stadtteils.

