Gedanken nach dem Dialog mit Lars Klingbeil

Der gestrige Nachmittag im Hegelsaal war ein besonderer Moment für mich. Ich konnte live miterleben, wie Lars Klingbeil, SPD-Vorsitzender, Finanzminister und Vizekanzler, seine Perspektiven auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik teilte – und dabei spürbar offen für Dialog und Austausch war. Eingeladen wurde die Veranstaltung von der SPD Bamberg und dem Wirtschaftsclub Bamberg.

Wirtschaft und Sozialdemokratie: Verbindung statt Gegensätze

Klingbeil betonte gleich zu Beginn: Sozialdemokratie und Wirtschaft gehören zusammen. Nicht als Gegensatz, sondern als Verbindung. Genau das spricht mich an. Politik muss die Balance zwischen Wirkung, Sinnhaftigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe wahren. Eine starke Wirtschaft darf kein Selbstzweck sein, soziale Programme dürfen nicht nur nach Haushaltslogik bewertet werden. Beides – wirtschaftliche Stabilität und soziale Absicherung – ist unverzichtbar für eine resiliente Gesellschaft.

Für Bamberg heißt das konkret: Unsere Schulen, Kitas, Straßen und digitale Infrastruktur müssen zukunftsfähig geplant und umgesetzt werden. Nicht verwalten, sondern gezielt investieren – und dabei die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen.

Infrastruktur und Tempo: Handeln statt Verstecken

Die Ausführungen zu Infrastruktur und Zukunftstechnologien konnte ich gut nachvollziehen. Deutschland muss handlungsfähig bleiben und darf sich nicht hinter Vorschriften verstecken, die Fortschritt blockieren. Für Bamberg bedeutet das: Projekte können schneller umgesetzt werden, wenn Bürokratie reduziert und klare Prioritäten gesetzt werden – sei es beim Ausbau von Straßen, im ÖPNV, bei der Digitalisierung, bei Unternehmensgründungen oder bei Investitionen bestehender Betriebe. Genehmigungen müssen effizienter und unbürokratischer erfolgen, um lokale Entwicklung zu beschleunigen.

Teilhabe und Betreuung: Neue Wege denken

Besonders bewegt hat mich die Diskussion um Betreuung. Das Prinzip des „Pooling“ – mehrere Kinder oder betreute Personen pro Betreuer – ist nachvollziehbar, weil es Ressourcen effizient nutzt, ohne Qualität zu opfern. In Bamberg könnten wir überlegen, wo ein Betreuungsschlüssel von 2:1 statt 1:1 sinnvoll ist. Das eröffnet Chancen, Teilhabe zu ermöglichen, ohne dass Kosten die Qualität mindern. Andere mögen von diesem Ansatz zunächst überrascht sein – Lars Klingbeil hat aber betont, dass im Einzelfall diskutiert werden muss, wo es Sinn macht.

Industriepolitik: Europäisches Selbstbewusstsein stärken

Klingbeil sprach mit Nachdruck über europäische Selbstbewusstheit: Wir müssen unsere Stärken erkennen, Innovationen fördern und uns nicht automatisch großen US- oder chinesischen Konzernen unterordnen. Auch wenn ich offenen Märkten grundsätzlich viel abgewinne, kann ich diesen Stolz nachvollziehen. Für Bamberg bedeutet das: Unsere mittelständischen Unternehmen sind exzellent und wettbewerbsfähig – und die Stadt sollte sie aktiv unterstützen.

Sprache und Rhetorik: Chancen erkennen statt Polarisieren

Die zugespitzte Rhetorik („Wir dürfen am Ende nicht die Dummen sein“) hat mich schmunzeln lassen. Polarisierung ist nicht mein Stil, aber der Kern stimmt: Chancen müssen erkannt und aktiv gestaltet werden. Auch hier gilt für Bamberg: sachlich bleiben, Kooperation suchen und gleichzeitig die eigenen Interessen klar vertreten.

Fiskalisches Handeln: Wirkung vor Quoten

Bei Themen wie Staatsquote, Energiepreis-Subventionen oder Haushaltsengpässen zeigte sich Klingbeils pragmatischer, handlungsorientierter Blick. Mir hat gefallen, dass Wirkung und Gerechtigkeit im Vordergrund stehen – nicht nur Zahlen und Quoten. Subventionen sollen Übergang sein, nicht Dauerinstrumente. Investitionen müssen messbaren Nutzen entfalten. Für Bamberg heißt das: Finanzielle Ressourcen gezielt einsetzen, nachhaltig und zukunftsorientiert.

Mein Fazit: Politik lebt von Menschen und Balance

Der gestrige Nachmittag hat mir klar gemacht: Politik ist kein abstraktes Zahlenwerk. Sie lebt von Menschen, konkreten Entscheidungen und Balance. Sie muss mutig gestalten, aber stets die Wirkung für die Gesellschaft im Blick haben. Für Bamberg heißt das, zwischen Vision und Pragmatismus zu balancieren – bei Betreuung, Infrastruktur, Wirtschaft und Klimaschutz.

Mit diesen Gedanken bin ich nach Hause gegangen: inspiriert, klar in meiner Haltung, aber auch mit dem Gefühl der Verantwortung – für Bamberg, unsere Stadtgesellschaft und unsere Zukunft. Lars Klingbeil hat Impulse gesetzt, die über die Bundespolitik hinaus wirken und lokal umgesetzt werden können, wenn wir den Mut haben, Chancen zu erkennen und aktiv zu gestalten.

Mein Fazit: Politik sollte verbinden, gestalten und den Menschen ins Zentrum stellen. In Bamberg können wir das tun – und genau dafür trete ich an, auf Platz 35 der Liste im Team Niedermaier. Wenn ihr das auch so seht, freue ich mich über eure drei Stimmen.

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